Die Unterkonstruktion ist das tragende, funktionsbestimmende System jedes Steildachs. Sie verteilt alle Lasten, schafft die Hinterlüftungsebene und liefert die Befestigungsgrundlage für die Dachdeckung. Wer das versteht, kann Angebote lesen, Abnahmen sinnvoll prüfen und Sanierungsfehler erkennen, bevor sie teuer werden.
Die wichtigsten Aufgaben auf einen Blick:
Zentrale Bauteile: Sparren, Pfetten, Konterlatte, Dachlatte sowie die Unterdachbahn in einer ihrer drei Ausführungsformen.
Die Schichten und Bauteile eines Dachs lassen sich klar nach Funktion trennen. Wer ein Angebot prüft oder eine Abnahme begleitet, sollte die Begriffe kennen.

Sparren sind die schräg verlaufenden Holzbalken, die den Dachstuhl formen. Sie sind das primäre Tragsystem: Auf ihnen liegt alles andere auf, und sie leiten die Lasten in die Pfetten oder direkt in die Außenwände ab. Querschnitte richten sich nach Spannweite, Dachneigung und Schneelastzone.
Pfetten verlaufen waagerecht quer zu den Sparren. First-, Mittel- und Fußpfette bilden zusammen das Gerüst, das die Sparren in ihrer Lage hält und Lasten auf die tragenden Wände oder Stützen übergibt. Beim Pfettendach tragen sie die Sparren punktuell; beim Sparrendach übernehmen Kehlbalken diese Aufgabe.

Konterlatte verläuft parallel zum Sparren, direkt auf der Unterdachbahn. Sie ist kein tragendes Element im statischen Sinne, aber funktional unverzichtbar: Sie hebt die Dachlatte an und schafft so den Lüftungsspalt von mindestens 30 mm zwischen Unterdeckung und Eindeckung. Gleichzeitig wirkt sie als Entwässerungsebene, über die eingedrungenes Wasser zur Traufe abfließen kann.

Dachlatten (auch Traglatten) liegen quer zur Sparrenrichtung auf den Konterlatten. Sie sind das tragende Element für die Eindeckung: Ziegel, Betonpfannen oder Metallprofile werden auf ihnen befestigt. Der Lattenabstand bestimmt, wie viele Reihen auf eine gegebene Dachlänge passen, und muss auf das jeweilige Eindeckungsmaterial abgestimmt sein.
Unterspannbahn, Unterdeckung und Unterdach bilden die wasserabweisende Schicht unterhalb der Eindeckung. Die drei Begriffe bezeichnen unterschiedliche Ausführungen mit unterschiedlichen Anforderungen. Mehr dazu in Abschnitt 5.
Die Unterkonstruktion ist das tragende Gerüst eines Daches und muss alle einwirkenden Kräfte sicher in das Gebäude ableiten. Dabei geht es nicht nur um das Gewicht der Dachziegel.
Folgende Lasten sind maßgebend:
Die Lastkette ist einfach zu verstehen: Dachbelag überträgt auf Dachlatte, Dachlatte auf Konterlatte, Konterlatte auf Sparren, Sparren auf Pfetten oder Außenwand. Jedes Glied muss für die Summe aller Lasten ausgelegt sein. Fehlt ein Glied oder ist es unterdimensioniert, verteilt sich die Last ungleichmäßig.
Dachneigung und Gebäudegeometrie beeinflussen die Lastannahmen direkt. Ein Satteldach mit 45° Neigung verhält sich bei Windlast anders als ein Pultdach mit 15°. Für Neubauten und Sanierungen mit veränderten Lasten sind statische Nachweise nach DIN EN 1991 (Lastannahmen) und den Fachregeln des Dachdeckerhandwerks Pflicht, nicht Kür.
Feuchtigkeit ist der größte Feind jeder Holzkonstruktion. Kondensat, das sich an der Unterseite der Eindeckung bildet, muss abgeführt werden, bevor es in die Dämmung oder die Sparren eindringt. Genau das leistet die Hinterlüftung.
Die Konterlattung schafft den entscheidenden Abstand: Mindestens 30 mm zwischen Unterdeckung und Dachdeckung gelten als Regelwert. Durch diesen Spalt strömt Luft von der Traufe zum First, nimmt Feuchte auf und transportiert sie nach außen. Ohne diesen Luftstrom staut sich Feuchtigkeit, Holz quillt, Schimmel entsteht, und die Eindeckung verliert ihre Haftung.
Die Luftwege müssen durchgängig sein. An der Traufe muss Luft ungehindert einströmen können, am First muss sie entweichen. Lüftungsgitter an der Traufe und offene Firstlösungen sind keine Optionen, sondern Pflicht. Blockierte Einlässe, etwa durch falsch verlegte Dämmung oder zu dicht gesetzte Konterlatten, heben die Wirkung der Hinterlüftung auf.
Profi-Tipp: Bei Aufsparrendämmungen ist die Luftführung besonders kritisch. Die Dämmplatten liegen direkt auf dem Sparren; der Lüftungskanal entsteht erst durch die Konterlattung darüber. Hier müssen zugelassene Systemschrauben verwendet werden, die Konterlatte, Dämmung und Sparren kraftschlüssig verbinden. Zu kurze Schrauben halten die Konterlatte nicht sicher, zu lange können die Dämmung beschädigen. Immer die Herstellerangaben und Zulassungsdokumente prüfen.
Die drei Begriffe werden im Alltag oft durcheinandergeworfen, bezeichnen aber klar unterschiedliche Ausführungen mit unterschiedlichen Schutzwirkungen.
Unterspannung wird frei zwischen den Sparren gespannt, ohne Schalung darunter. Sie ist die einfachste Lösung und eignet sich nur für ausreichend steile Dächer, bei denen kein Wasser aufgestaut werden kann.
Unterdeckung liegt auf einer Schalung oder Dämmung auf. Sie bietet mehr Schutz, weil sie flächig unterstützt wird und auch bei geringeren Dachneigungen funktioniert.
Unterdach ist die vollwertige, wasserdichte Schicht, die auch bei sehr flachen Neigungen und extremen Witterungsbedingungen schützt. Es wird auf einer vollflächigen Schalung verlegt und entspricht der höchsten Schutzklasse.
Die Wahl richtet sich nach der Dachneigung und dem Schutzbedarf. Die Regeldachneigung (RDN) des jeweiligen Eindeckungsmaterials gibt an, ab welcher Neigung eine bestimmte Ausführung ausreicht. Unterhalb der RDN sind zusätzliche Maßnahmen Pflicht.
| Dachneigung | Mindestanforderung Unterdach |
|---|---|
| — | Unterspannung ausreichend bei regelgerechter Ausführung |
| 15° | Unterdeckung auf Schalung erforderlich |
| 10° | Unterdach (wasserdicht) auf vollflächiger Schalung |
| — | Flachdachregeln gelten; Unterdach nicht ausreichend |
Qualitätsmerkmale bei der Auswahl: Nageldichtbänder an Befestigungspunkten verhindern, dass Wasser an Nägeln oder Schrauben eindringt. Nahtausführung (verschweißt oder verklebt) bestimmt die Dichtigkeit der Überlappungen. Freibewitterungszeiten variieren je nach Hersteller und geben an, wie lange die Bahn vor der Eindeckung ungeschützt bleiben darf. Diese Angaben stehen in den Montageanleitungen und sind für die Gewährleistung relevant.
Konkrete Maße sind das, was bei der Abnahme zählt. Lattenabstände sind keine Ermessensfrage, sondern folgen aus dem Eindeckungsmaterial und den Herstellervorgaben.
Holzlatten vs. Stahlunterkonstruktion: Für Steildächer mit Ziegeln oder Betonpfannen sind Holzlatten der Standard. Stahlunterkonstruktionen kommen bei Metallprofildächern, Industriebauten oder besonderen statischen Anforderungen zum Einsatz. Holz muss trocken und frei von Schädlingsbefall sein; für Außenbereiche gelten Anforderungen an die Holzschutzklasse.
Handelsübliche Dachlattenquerschnitte sind 30×50 mm oder 40×60 mm. Der Mindestquerschnitt sichert nicht nur die Tragfähigkeit, sondern auch den Lüftungsspalt. Zu schmale Latten können sich unter Last durchbiegen und die Eindeckung verschieben.
| Eindeckungstyp | Typischer Lattenabstand | Hinweis |
|---|---|---|
| Tonziegel (z. B. Frankfurter Pfanne) | — | Je nach Ziegelformat; Herstellerangabe maßgebend |
| Betonpfannen | 33 cm | Variiert stark nach Produktlinie |
| Wellblech / Trapezprofil | 60 cm | Abhängig von Profilhöhe und Spannweite |
| Schiefer (Doppeldeckung) | 12 cm | Sehr enger Abstand wegen Überlappung |
| Faserzementplatten | 25 cm | Herstellerblatt zwingend beachten |
Korrosionsschutz ist kein Detail. Verzinkte Nägel rosten in feuchter Umgebung, besonders bei Holzarten mit hohem Gerbsäuregehalt wie Eiche oder Lärche. Edelstahlschrauben der Güte A2 oder A4 sind die sichere Wahl und Voraussetzung für viele Herstellergarantien. Falsche Befestigungsmittel können Garantieansprüche vollständig erlöschen lassen.
Die erste Latte an der Traufe erhält eine Höhenanpassung, damit der erste Ziegelkurs die gleiche Neigung wie alle folgenden hat. Ohne diese Anpassung kippt der unterste Ziegel nach vorne, Wasser läuft falsch ab. Am First wird die letzte Latte so positioniert, dass die Firstziegel sauber aufliegen und der Firstbereich dicht abgeschlossen werden kann.
Profi-Tipp: Schraubenlängen bei der Befestigung von Konterlatten auf Aufsparrendämmung: Die Schraube muss mindestens 60 mm in den Sparren eindringen, um kraftschlüssig zu halten. Bei 160 mm Dämmung und 40 mm Konterlatte brauchen Sie also mindestens 260 mm Systemschrauben. Immer die Zulassung des Schraubenherstellers prüfen, nicht nur die Länge.
Die Abfolge ist logisch, aber jeder Schritt hat Abnahmepunkte, die dokumentiert werden sollten, bevor der nächste beginnt.
Profi-Tipp: Dokumentieren Sie nach Schritt 3 und 5 Fotos der verlegten Unterdachbahn und der Lattenabstände. Sind die Schichten erst eingedeckt, lässt sich im Streitfall nicht mehr nachweisen, ob Nageldichtbänder gesetzt wurden oder ob der Lattenabstand stimmt. Diese Fotos sind Ihr wichtigstes Gewährleistungsdokument.
Sanierungen sind der häufigste Anlass für Fehler, weil die Bestandskonstruktion Überraschungen birgt und der Zeitdruck hoch ist. Drei Punkte sind nicht verhandelbar.
Checkliste für Unterlagen, die ein Fachbetrieb bei Sanierungen vorlegen sollte:
Wer diese Unterlagen nicht bekommt, sollte den Auftrag überdenken. Fehlende Nachweise bedeuten im Schadensfall keinen Gewährleistungsanspruch.
Ein korrekt geplanter Unteraufbau, inklusive Hinterlüftung und Unterdach, ist Voraussetzung für Garantieansprüche. Die häufigsten Fehler sind bekannt und vermeidbar.
Konkrete Konsequenzen: Feuchtigkeitsschäden an Sparren und Dämmung, Schimmel im Dachraum, Windsogsschäden bei Sturm, Verlust aller Herstellergarantien. Im schlimmsten Fall ist eine vollständige Neueindeckung nötig, weil die Unterkonstruktion nicht mehr sanierbar ist.
Für Gewährleistungsansprüche relevant: Montageprotokoll mit Fotos, Lieferscheine für verwendete Materialien, Systemzulassungen und das Abnahmeprotokoll mit Unterschrift des Auftraggebers.
Nicht jede Dacharbeit erfordert einen Statiker. Aber es gibt klare Situationen, in denen ohne Fachbetrieb und statischen Nachweis nicht begonnen werden sollte.
Statiker ist erforderlich bei:
Fragen, die Sie dem Handwerksbetrieb stellen sollten:
Unterlagen, die Sie bereitstellen oder anfordern sollten:
Ein seriöser Betrieb fragt diese Unterlagen aktiv an, bevor er ein Angebot abgibt. Wer ohne diese Grundlage sofort einen Preis nennt, plant nicht, sondern schätzt.
Die Unterkonstruktion entscheidet über Langlebigkeit, Regensicherheit und Garantiefähigkeit eines Dachs: Wer Lattenabstände, Hinterlüftungsspalt und Systemschrauben bei der Abnahme prüft, schützt seine Investition.
| Thema | Details |
|---|---|
| Hinterlüftungsspalt | Mindestens 30 mm zwischen Unterdeckung und Eindeckung; Konterlattung schafft diesen Abstand. |
| Lattenabstände prüfen | Abstand richtet sich nach Eindeckungsmaterial; bei Ziegeln typisch 33 cm, immer Herstellerangabe maßgebend. |
| Statik bei Sanierung | Schwerere Eindeckung oder Aufsparrendämmung erfordert Tragwerksnachweis vor Baubeginn. |
| Dokumentation bei Abnahme | Fotos nach Unterdachbahn und Lattung sichern Gewährleistungsansprüche bei späteren Schäden. |
| Engels-bedachungen | Führt Dachsanierungen in Bornheim, Köln und Bonn mit Montageprotokoll, Systemzulassungen und Vor-Ort-Prüfung durch. |
Die häufigste Fehlkalkulation bei Sanierungen ist die Annahme, dass die alte Unterkonstruktion für neue Materialien ausreicht. Wer von Tonziegel auf Betonpfannen wechselt, erhöht das Flächengewicht spürbar. Alte Sparren aus den 1960er und 1970er Jahren sind oft für diese Last nicht ausgelegt, weil damals andere Normen galten und Schneelasten in vielen Regionen neu bewertet wurden.
Ein weiteres Muster: Hinterlüftung, die auf dem Papier stimmt, aber in der Ausführung scheitert. Dämmung, die zu weit in den Lüftungskanal ragt, oder Traufendetails, die den Lufteinlass blockieren, machen den 30-mm-Spalt wirkungslos. Das zeigt sich nicht sofort, sondern nach dem ersten feuchten Winter.
Wer einen Fachbetrieb beauftragt, sollte konkret nach Referenzprojekten mit vergleichbarer Aufgabe fragen, nicht nach allgemeinen Erfahrungsjahren. Ein Betrieb, der Aufsparrendämmungen mit Systemschrauben und Statiknachweis routinemäßig abwickelt, liefert andere Ergebnisse als einer, der das zum ersten Mal macht. Montageprotokolle und Abnahmefotos sind kein bürokratischer Aufwand, sondern der einzige Schutz, wenn Jahre später ein Schaden auftritt und die Frage nach der Ursache gestellt wird.
Für Bauherren gilt: Lassen Sie sich die Unterdachbahn und die Lattung zeigen, bevor die Eindeckung beginnt. Messen Sie an zwei oder drei Stellen den Lattenabstand nach. Fragen Sie nach dem Nageldichtband. Diese drei Handgriffe dauern zehn Minuten und können eine teure Neueindeckung verhindern.
Wer eine Dachsanierung plant, steht vor einer Entscheidung, die zehn bis dreißig Jahre hält. Die Unterkonstruktion ist dabei das Fundament, das man nach der Eindeckung nicht mehr sieht, aber täglich spürt, wenn sie falsch ausgeführt wurde.

Engels-bedachungen führt seit 1954 Dacharbeiten in Bornheim, Köln, Bonn und Umgebung durch. Das Leistungsspektrum umfasst genau das, was bei einer fachgerechten Unterkonstruktion zählt: Dachsanierung mit vollständigem Montageprotokoll, Aufsparrendämmung mit zugelassenen Systemschrauben, Asbestsanierung nach TRGS 519 bei älteren Dächern sowie Drohneninspektionen zur Bestandsaufnahme vor Beginn der Arbeiten. Referenzprojekte aus der Region zeigen, wie die Abläufe in der Praxis aussehen. Für Ihr Projekt: Fordern Sie ein konkretes Angebot mit Vor-Ort-Termin an und lassen Sie die Unterkonstruktion fachgerecht prüfen, bevor die erste Latte liegt.
Für alle, die tiefer prüfen wollen, hier die wichtigsten Referenzen:
Für projektspezifische Nachweise, Statikfragen oder Materialempfehlungen wenden Sie sich direkt an Engels-bedachungen. Ein Vor-Ort-Termin klärt mehr als jede allgemeine Quelle.