07.09.2026

Q_NOT berechnen: Notüberlauf am Flachdach plus Praxischeck

Q_NOT berechnen: Notüberlauf am Flachdach plus Praxischeck

Ein Notüberlauf ist für Flachdächer in Deutschland in der Regel Pflicht, geregelt in der DIN 1986-100. Nur wer eine geprüfte Regenrückhaltung mit statischem Nachweis vorweist, kommt um die Notentwässerung herum. Wer sie ignoriert, riskiert im schlimmsten Fall einen Dacheinsturz durch aufgestautes Regenwasser und verliert im Schadensfall häufig den Versicherungsschutz.


Kurz gesagt:

  • Ohne statischen Nachweis der Regenrückhaltung besteht bei Flachdächern in Deutschland grundsätzlich die Pflicht zur Notüberlaufinstallation.
  • Die Bemessung des Notüberlaufs basiert auf regionalen Regenspenden und muss die maximale Wasserlast bei verstopftem Hauptablauf sicher abführen.
  • Der Einbauort, die Höhe und die Abstände der Notüberläufe sind präzise festzulegen, um eine Überlastung oder frühzeitiges Auslösen zu vermeiden.
  • Das Wasser darf nur auf befestigte Flächen, Grünstreifen oder Versickerungsflächen außerhalb des öffentlichen Kanalsystems abfließen.
  • Eine jährliche Kontrolle und Dokumentation des Notüberlaufs ist Pflicht, insbesondere bei begrünten Flächen zur Haftung im Schadensfall.

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Inhaltsverzeichnis

Welche Normen regeln den Notüberlauf am Flachdach?

Drei Regelwerke bilden das Fundament jeder Planung: die DIN 1986-100 für die Entwässerung von Grundstücken und Gebäuden, die DIN EN 12056-3 für die Dachentwässerung im europäischen Kontext und die Flachdachrichtlinie des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Zusammen legen sie fest, wie viel Wasser ein Dach im Extremfall abführen muss und welche bauliche Ausführung dafür zulässig ist.

Zentral sind zwei Bemessungsgrößen: die Regenspende r(5,5), die einen statistisch alle fünf Jahre auftretenden Fünfminutenregen beschreibt, und r(5,100), die einen deutlich selteneren, sogenannten Jahrhundertregen abbildet. Beide Werte stammen aus örtlichen Regendaten und unterscheiden sich je nach Region teilweise erheblich.

Diese Abschnitte sind für die Praxis entscheidend:

  • DIN 1986-100, Abschnitt 5.9: verbindliche Regel zur Notentwässerung und deren Ableitung
  • DIN EN 12056-3: Grundlagen zur Bemessung von Dachabläufen und Notüberläufen
  • Flachdachrichtlinie: konstruktive Ausführungsdetails und Anschlüsse an die Attika

Wann ist Notentwässerung Pflicht und wo gibt es Ausnahmen?

Der Grundsatz ist eindeutig: Jede Dachfläche beziehungsweise jeder Tiefpunkt braucht eine Notentwässerung, sofern nicht ausdrücklich eine Ausnahme greift. Diese Ausnahme ist eng gefasst und betrifft praktisch nur Dächer mit geplanter Regenrückhaltung.

Ein solcher Verzicht funktioniert nur mit lückenlosem statischem Nachweis. Der Tragwerksplaner muss belegen, dass die Dachkonstruktion die Zusatzlast eines Jahrhundertregens dauerhaft trägt, ohne dass es zu Verformungen oder Rissen kommt.

Praktisch heißt das für Bauherren:

  • Ohne Nachweis gilt automatisch die Pflicht zum Notüberlauf
  • Der Nachweis muss die volle Wasserlast bei verstopftem Hauptablauf abdecken
  • Fehlt beides, drohen im Schadensfall Regressansprüche gegen Planer und Ausführende

Attikaöffnung, Notablauf oder Unterdrucksystem: Welche Lösung passt?

Drei Bauweisen haben sich in der Praxis etabliert, und jede hat ihren eigenen Anwendungsbereich.

  1. Attika-Notüberlauf: Eine einfache Öffnung in der Attikawand, meist als Blechkasten oder Speier ausgeführt. Sie ist günstig, gut sichtbar und lässt sich fast überall nachrüsten, führt aber zu einer erkennbaren Wasserfahne an der Fassade.
  2. Notablauf mit separatem Leitungssystem: Ein zweiter Abwasserstrang, komplett getrennt vom Hauptablauf, der das Wasser kontrolliert ins Freie oder in eine Versickerungsfläche führt. Aufwendiger in der Installation, dafür schont er die Fassade deutlich stärker.
  3. Unterdruck- beziehungsweise Rohr-in-Rohr-Systeme: Kommen vor allem bei großen Gewerbedächern und Hallen zum Einsatz, wo ein Attikaüberlauf konstruktiv nicht möglich ist oder die Ablaufmenge sonst nicht ausreicht.

Die Wahl hängt von der Dachgröße, der Fassadengestaltung und den vorhandenen Anschlussmöglichkeiten ab. Bei sensiblen Fassaden aus Naturstein oder Wärmedämmverbundsystem lohnt sich fast immer der getrennte Notablauf, auch wenn er in der Anschaffung mehr kostet.

Wie berechnet man Q_NOT für den Notüberlauf?

Die Bemessung folgt einer festen Formel aus der DIN 1986-100: Q_NOT = (r(5,100) minus r(5,5) mal C_S) mal A geteilt durch 10.000. Dabei steht A für die angeschlossene Dachfläche in Quadratmetern und C_S für den Abflussbeiwert, der meist bei 1,0 liegt, bei begrünten oder teilversickernden Flächen aber niedriger angesetzt wird.

Ein Rechenbeispiel macht das greifbar: Bei einer Dachfläche von 300 m², einer r(5,100) von 500 l/(s·ha) und einer r(5,5) von 200 l/(s·ha) ergibt sich Q_NOT = (500 minus 200 mal 1,0) mal 300 geteilt durch 10.000, also 9 Liter pro Sekunde. Diese Menge muss der Notüberlauf zusätzlich zum regulären Hauptablauf abführen können, ohne dass sich Wasser auf dem Dach gefährlich aufstaut.

Aus Q_NOT lässt sich anschließend die nötige Breite LW der Überlauföffnung ableiten. Hierfür braucht man Bemessungstabellen, wie sie die DIN 1986-100 in ihrem Anhang bereitstellt, oder die technischen Datenblätter der Hersteller von Attika-Speiern und Notabläufen. Wichtig dabei:

  • Die Formel liefert nur das Mindestabflussvermögen, kein Sicherheitspolster
  • Regionale Regenspenden weichen teils stark voneinander ab, ein pauschaler Wert taugt nicht
  • Herstellerangaben zu LW basieren auf Prüfwerten und ersetzen keine eigene Bemessung bei Sonderfällen

Welche Einbauhöhe und welche Abstände sind vorgeschrieben?

Die Stauhöhe, oft mit dem Formelzeichen h bezeichnet, beschreibt den maximal zulässigen Wasserstand, bevor der Notüberlauf greifen muss. Sie darf nicht beliebig hoch liegen, denn jeder Zentimeter zusätzliches Stauwasser erhöht die Flächenlast auf der Tragkonstruktion messbar.

Als grobe Orientierung gelten in der Praxis Abstände zwischen Attikaöffnungen von rund 10 bis 20 Metern, abhängig von Dachform und Gefälle. Wichtig ist dabei:

  • Die Unterkante des Notüberlaufs sollte oberhalb der Rückstauebene des Hauptablaufs und unterhalb der zulässigen Stauhöhe liegen
  • Zu niedrig angesetzte Überläufe lösen zu früh aus und wirken wie ein zweiter Regelablauf
  • Zu hoch angesetzte Überläufe verzögern das Auslösen, bis die Dachlast bereits kritisch ist

Genau deshalb sollte die endgültige Einbauhöhe immer gemeinsam mit dem Tragwerksplaner festgelegt werden. Eine Fehleinschätzung von wenigen Zentimetern kann über die gesamte Nutzungsdauer des Dachs entscheiden.

Wohin darf das Wasser aus dem Notüberlauf abfließen?

Eine Regel lässt keinen Spielraum: Notentwässerung darf nicht an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen werden. Das Wasser muss frei auslaufen, und zwar auf eine Fläche, die den Wasseranfall schadlos aufnimmt.

Das bedeutet konkret:

  • Zielflächen sind Grünstreifen, Versickerungsflächen oder befestigte Freiflächen auf dem eigenen Grundstück
  • Separate Leitungen mit Auslauf in Bodennähe reduzieren Fassadenverschmutzung deutlich gegenüber offenen Speiern
  • Grenzt das Grundstück direkt an einen Nachbarn, muss die Ableitung so geplant sein, dass kein fremdes Eigentum beschädigt wird, sonst drohen zivilrechtliche Streitigkeiten

Wie oft muss der Notüberlauf gewartet und dokumentiert werden?

Mindestens einmal jährlich gehört der Notüberlauf auf den Prüfplan, so sehen es DIN 1986-3 und die Flachdachrichtlinie vor. Bei kritischen Dächern, etwa mit intensiver Begrünung oder hoher Laubbelastung durch Bäume in der Nähe, empfiehlt sich eine halbjährliche Kontrolle.

Ein Wartungsprotokoll sollte mindestens diese Punkte festhalten:

  • Datum der Inspektion und Name des Prüfers
  • Zustand der Öffnung, Verschmutzungsgrad, erkennbare Schäden
  • Konkrete Hinweise an den Eigentümer, falls Handlungsbedarf besteht

Profi-Tipp: Fotografieren Sie bei jeder Kontrolle den Notüberlauf aus derselben Perspektive. So lässt sich der Verlauf über Jahre dokumentieren, und im Versicherungsfall haben Sie einen lückenlosen Nachweis statt einer vagen Erinnerung.

Ohne datiertes Protokoll werden Schadenersatzansprüche gegenüber Versicherern häufig abgelehnt. Das macht die Dokumentation zu weit mehr als einer Formalität.

Was zeigt die Praxis-Checkliste von Engels-bedachungen für die Montage?

Bei der täglichen Arbeit auf Flachdächern zeigt sich immer wieder derselbe Fehler: Notüberläufe werden zugebaut oder wachsen unter einer Dachbegrünung einfach zu. Deshalb wird bei begrünten Flächen bewusst ein freier Randstreifen um jede Notentwässerung freigehalten, oft mit einem Kiesstreifen als Sperrzone.

Weitere Kontrollpunkte aus der Praxis:

  • Statiker und Hersteller sollten schon in der Planungsphase eingebunden werden, nicht erst kurz vor der Montage
  • Bei der Bauabnahme sollte der Eigentümer eine schriftliche Dokumentation aller eingebauten Notentwässerungen erhalten
  • Wartungsverträge können die jährliche Kontrolle sicherstellen, ohne dass der Eigentümer selbst den Termin im Kopf behalten muss

Warum jetzt handeln?

Starkregenereignisse nehmen zu, und viele Flachdächer aus den 1990er und 2000er Jahren wurden nach älteren, weniger strengen Regenspenden bemessen. Wer 2026 eine Sanierung plant, sollte die Notentwässerung deshalb nicht als Nebensache behandeln, sondern gleich zu Beginn mit prüfen lassen, bevor die übrigen Arbeiten abgeschlossen sind.

— Electus

Wie unterstützt Engels-bedachungen bei Planung und Umsetzung?

Ein erfahrener Dachdeckerbetrieb kennt die Normanforderungen an Notentwässerung aus Erfahrungen mit Sanierungen von Steil- und Flachdächern.

Engels-bedachungen

Statt eine allgemeine Beratung zu versprechen, wird bei jedem Auftrag konkret geprüft, ob die vorhandene Notentwässerung den aktuellen Normen entspricht, die Ausführung mit dem Statiker abgestimmt und die fachgerechte Montage inklusive Dokumentation übernommen. Wer eine Dachsanierung plant, kann die Notentwässerung direkt in dieselbe Maßnahme einbeziehen, statt später nachzurüsten. Auch bei geplanter Dachbegrünung wird die Notentwässerung von Anfang an mitgedacht, damit Randstreifen und Abläufe nicht nachträglich freigelegt werden müssen. Referenzprojekte aus der Region zeigt die Seite zur Dachsanierung Bornheim. Fordern Sie eine erste Einschätzung Ihres Flachdachs an, bevor die nächste Regenperiode beginnt.

Wichtige Normen und Fachartikel zum Weiterlesen

Wer tiefer einsteigen möchte, findet Ausführungsdetails in der DIN EN 12056-3 und praxisnahe Sanierungshinweise bei Haustec zur fachgerechten Flachdachentwässerung. Prüfen Sie stets die örtlichen Regenspenden, bevor Sie eine Bemessung übernehmen.

Quellen

Empfehlungen

Marc Engels